Das Nachlassgericht und seine Aufgaben

Wenn Sie in einem Testament als Erbe eingesetzt wurden oder gesetzliche Erbansprüche haben, ist das Nachlassgericht Ihr Ansprechpartner in verschiedenen Angelegenheiten rund um den Erbfall. Aber auch, wenn Sie ein Testament in amtliche Verwahrung geben, können Sie Kontakt mit dem Nachlassgericht haben. Wir zeigen Ihnen, welche Aufgaben dieses Gericht erfüllt.

Was macht das Nachlassgericht?

Das Nachlassgericht ist für Erbangelegenheiten zuständig. Seine Aufgaben werden in Deutschland vom Amtsgericht übernommen. Zu den Aufgaben zählen:

Welches Nachlassgericht ist zuständig?

Zuständiges Nachlassgericht in einem Erbfall ist immer das Amtsgericht, in dessen Bezirk der Verstorbene seinen letzten Wohnsitz hatte. Eine Ausnahme bilden Erbausschlagungen: Diese können auch am Wohnort des Ausschlagenden erklärt werden.

Wie erfährt das Nachlassgericht vom Tod des Erblassers bzw. von seinem Testament?

Bevor es zur Testamentseröffnung kommt, muss das Nachlassgericht zunächst Nachricht vom Tod des Erblassers und von der Existenz seines Testaments erhalten. Hierbei macht es einen Unterscheid, ob es sich um ein amtlich verwahrtes oder um ein nicht amtlich verwahrtes (privates) Testament handelt.

Amtlich verwahrte Testamente

Jedes Testament in amtlicher Verwahrung wird in einem zentralen Testamentsregister bei der Bundesnotarkammer geführt. Bei einem Todesfall erhält dieses Register eine Nachricht vom zuständigen Standesamt. Wenn für den Verstorbenen ein Testament hinterlegt ist, wird das zuständige Nachlassgericht benachrichtigt.

Nicht amtlich verwahrte Testamente

Etwas schwieriger ist es bei nicht amtlich verwahrten Testamenten, denn diese werden nicht zentral registriert. Nach § 2259 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) ist jeder, der im Besitz eines privaten Testaments ist, dazu verpflichtet es nach dem Tod des Erblassers beim Amtsgericht abzugeben, damit es eröffnet werden kann.

Privat verwahrte Testamente können allerdings verloren gehen, vergessen oder unterschlagen werden. Daher besteht ein gewisses Risiko, dass ein nicht amtlich verwahrtes Testament gar nicht oder erst zu spät beim Amtsgericht abgegeben wird.

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Wen muss das Nachlassgericht informieren?

Das Nachlassgericht informiert alle am Erbfall Beteiligten schriftlich über die Testamentseröffnung: Erben, Enterbte, Vermächtnisnehmer, Testamentsvollstrecker und Nachlassverwalter. Diese erhalten eine Kopie des Testaments und außerdem das Protokoll der Testamentseröffnung.

Die schriftliche Benachrichtigung erfolgt automatisch. Wenn Sie an einem Erbfall beteiligt sind, erhalten Sie also in jedem Fall rechtzeitig Nachricht davon.

Wie ermittelt das Nachlassgericht die Erben?

Das Nachlassgericht wird nur dann tätig, wenn ein Testament vorliegt. Darin werden alle Beteiligten genannt, in der Regel mit ihrem vollem Namen und ihrer Anschrift.

Bei Erbfällen kraft der gesetzlichen Erbfolge werden die Erben nicht vom Nachlassgericht informiert.

Wer bezahlt das Nachlassgericht?

Für alle Dienste des Nachlassgerichtes müssen Gebühren entrichtet werden.

  • Für die amtliche Verwahrung eines Testaments sind 75 Euro zu entrichten.
  • Eine Testamentseröffnung kostet 100 Euro zuzüglich der Kosten für Porto, Versand etc. Diese Kosten sind im Anschluss an die Testamentseröffnung von den Erben zu entrichten.
  • Die Kosten für einen Erbschein hängen vom Geschäftswert des Nachlasses ab und sind vom Antragsteller zu bezahlen.
  • Wenn Sie die Erbschaft für einen überschuldeten Nachlass ausschlagen, fällt dafür pauschal eine Gebühr in Höhe von 30 Euro an. Schlagen Sie eine Erbschaft aus, die nicht überschuldet ist, richten sich die Kosten nach dem Nachlasswert. In beiden Fällen sind die Gebühren vom Ausschlagenden zu tragen.

Alle Angaben: Stand Januar 2019.

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