Pflichtteil vom Erbe einfordern:
Welcher Anteil steht Ihnen zu?

Nicht jeder, der enterbt wird, geht wirklich leer aus. Nahen Angehörigen steht in jedem Fall ein Anteil am Vermögen des Erblassers zu. Wir zeigen Ihnen, wer Anspruch auf diesen Pflichtteil hat und wie hoch dieser tatsächlich ausfällt.

Was ist der Pflichtteil im Erbrecht?

In einem Testament können Sie frei darüber verfügen, wie Ihr Vermögen nach Ihrem Tod verteilt werden soll. Diese sogenannte Testierfreiheit ist Ihnen im § 1937 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) zugesichert. Sie können beliebig viele Personen zu Ihren Erben bestimmen, andere Personen enterben oder einzelne Vermächtnisse aussetzen.

Das deutsche Erbrecht setzt Ihrer Testierfreiheit allerdings bestimmte Grenzen: Nahe Angehörige haben in jedem Fall Anrecht auf einen bestimmten Anteil Ihres Vermögens. Dies ist der sogenannte Pflichtteil im deutschen Erbrecht.

Wer ist pflichtteilsberechtigt?

Unter „nahe Angehörigen“ werden nach dem deutschen Erbrecht der Ehepartner, die Kinder sowie gegebenenfalls auch die Eltern des Verstorbenen und die Nachkommen seiner Kinder gefasst. Sie alle haben gesetzlichen Anspruch auf einen Pflichtteil vom Erbe.

  • Die Eltern und Nachkommen der Kinder (Enkel, Urenkel etc.) sind jedoch nur dann pflichtteilsberechtigt, wenn es keinen Ehepartner und keine Kinder gibt oder diese nicht mehr am Leben sind.

Pflichtteil berechnen

Der Pflichtteil vom Erbe berechnet sich nach den §§ 1924 bis 1936 BGB. Er beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbanspruchs. Auch enterbte Ehepartner, Kinder und andere Erbberechtigte haben also Anspruch auf 50 Prozent ihres gesetzlichen Erbteils.

Wie hoch der Pflichtteil vom Erbe für alle Angehörigen konkret ausfällt, können Sie den folgenden Beispielen entnehmen.

Pflichtteil im deutschen Erbrecht

Pflichtteil des Ehegatten

Der gesetzliche Erbteil des Ehepartners bestimmt sich danach, ob es außer ihm noch andere Erben gibt. Daneben spielt es auch eine Rolle, in welchem Güterstand die Eheleute beim Tod des Erblassers gelebt haben.

  • Gibt es neben dem Ehepartner noch Erben 1. Ordnung (Kinder oder Enkelkinder), hat der überlebende Partner gesetzlichen Anspruch auf ein Viertel (1/4) des Nachlasses. Der Pflichtteil beträgt also ein Achtel (1/8).
  • Gibt es neben dem Ehepartner noch Erben 2. Ordnung, so hat der überlebende Partner gesetzlichen Anspruch auf die Hälfte (1/2) des Nachlasses. Demnach beträgt der Pflichtteil ein Viertel (1/4).
  • Sind die Großeltern des Verstorbenen erbberechtigt (Erben 3. Ordnung), beträgt der Pflichtteil für den überlebenden Ehepartner ebenfalls ein Viertel (1/4) des Nachlasses.

Pflichtteil des Ehegatten bei Gütertrennung

Wenn die Ehepartner beim Todes des ersten Partners im Güterstand der Gütertrennung gelebt haben, so erben die Kinder und der überlebende Partner nach der gesetzlichen Erbfolge je die Hälfte des Vermögens. Der Pflichtteil für den überlebenden Partner beträgt demnach ein Viertel (1/4) des Nachlasses.

Pflichtteil des Ehegatten bei Zugewinngemeinschaft

Die meisten Ehepaare leben im Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Diese tritt bei jeder Eheschließung und beim Eintragen einer Lebenspartnerschaft per Gesetz in Kraft, solange es keinen anders lautenden Ehevertrag gibt.

  • Wird der überlebende Ehepartner einer Zugewinngemeinschaft enterbt, so hat er neben seinem Pflichtteil von einem Viertel (1/8) des Vermögens nach §§ 1371 ff. BGB gegebenenfalls zusätzliche Ansprüche gegenüber den Erben.
  • Wenn der verstorbene Partner während der Ehe nämlich einen höheren Gewinn erwirtschaftet hat als der Überlebende, so steht diesem die Hälfte des Überschusses zu.
  • Diese Regelung wird als „güterrechtliche Lösung“ bezeichnet.

Pflichtteil des Ehegatten bei Gütergemeinschaft

Im Fall der Gütergemeinschaft gelten keine besonderen Regelungen. Dem überlebenden Partner gehört bereits die Hälfte des gemeinsamen Vermögens. Die andere Hälfte wird wie oben beschrieben unter dem Ehepartner und den erbberechtigten Verwandten aufgeteilt.

Übersicht: Pflichtteil des Ehepartners

Mit 1 KindMit 2 KindernMit mehr als 2 Kindern
Gütertrennung1/41/61/8
Zugewinngemeinschaft (güterrechtliche Lösung)1/8 + Zugewinnausgleich1/8 + Zugewinnausgleich1/8 + Zugewinnausgleich
Gütergemeinschaft1/81/81/8

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Pflichtteil der Kinder

Der Pflichtteile für die Kinder berechnet sich danach, wie hoch der Pflichtteil für den Ehepartner ausfällt. Der Erbteil des Ehepartners wird immer zuerst festgelegt. Wenn es mehrere Kinder gibt, erben alle zu gleichen Teilen.

  • Beim Tod des letzten Elternteils erben die Kinder laut gesetzlicher Erbfolge das gesamte Vermögen. Der Pflichtteilsanspruch gegenüber den testamentarischen Erben beträgt in diesem Fall also die Hälfte des Nachlasses.
  • Ist ein Kind bereits vor dem Tod des Elternteils verstorben, gehen die Erbschaftsansprüche laut Erbrecht auf seine eigenen Kinder über.

Pflichtteil der Kinder beim Berliner Testament

Das Berliner Testament ist ein gemeinschaftliches Testament, in dem sich die beiden Ehepartner gegenseitig als Alleinerben einsetzen. Der Pflichtteilsanspruch der Kinder besteht selbstverständlich auch in diesem Fall.

Um zu verhindern, dass Kinder ihren Pflichtteil einfordern, fügen manche Ehepaare ihrem Testament deshalb die sogenannte „Pflichtteilstrafklausel“ hinzu. Diese enterbt die Kinder für den Fall, dass sie sich nach dem Tod des ersten Ehepartners ihren Pflichtteil auszahlen lassen.

Pflichtteil der Eltern

Als Erben zweiter Ordnung sind die Eltern des Verstorbenen nur dann erbberechtigt, wenn es keine Erben erster Ordnung gibt (Kinder und deren Nachkommen). Beim Tod des ersten Ehepartners beträgt der Pflichtteil für die Eltern dann ein Viertel (1/4) des Nachlasses. Stirbt eine ledige Person oder ein überlebender Ehepartner kinderlos, haben die Eltern Anspruch auf die Hälfte (1/2) des Nachlasses als Pflichtteil.

Pflichtteil der Geschwister

Die Geschwister des Verstorbenen zählen – als Nachkommen seiner Eltern – ebenfalls zu den Erben zweiter Ordnung. Für sie gelten dieselben Regelungen wie für die Eltern. Sie sind nach dem deutschen Erbrecht allerdings nur dann erbberechtigt, wenn die Eltern des Verstorbenen ebenfalls bereits verstorben sind (Stammesprinzip).

Unter diesen Umständen beträgt der Pflichtteil für die Geschwister (1/4) des Nachlasses, wenn der erste Ehepartner kinderlos stirbt, und die Hälfte (1/2) des Nachlasses, wenn er ledig oder als letzter Ehepartner stirbt.

Verlust des Pflichtteilsanspruchs

Unter bestimmten Umständen kann der Erblasser den Erben sogar ihren Pflichtteilsanspruch entziehen. Mögliche Gründe dafür sind im § 2333 BGB festgelegt:

  • Der Erbe trachtet dem Erblasser, seinem Ehepartner, einem seiner Nachkommen oder einer anderen dem Erblasser nahestehenden Person nach dem Leben.
  • Der Erbe hat ein Verbrechen am Erblasser, seinem Ehepartner, einem seiner Nachkommen oder einer anderen dem Erblasser nahestehenden Person begangen.
  • Der Erbe hat den Erblasser oder dessen Ehepartner vorsätzlich körperlich schwer misshandelt.
  • Der Erbe ist seiner Unterhaltspflicht gegenüber dem Erblasser nicht nachgekommen.
  • Der Erbe wurde wegen einer vorsätzlichen Straftat zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr ohne Bewährung verurteilt oder es wurde seine Unterbringung in einer Psychiatrie oder Entzugsanstalt angeordnet.

Wer muss den Pflichtteil auszahlen?

Der Erbe beziehungsweise die Erbengemeinschaft des Verstorbenen ist dazu verpflichtet, den Pflichtteil des Erbes auszuzahlen.

So fordern Sie den Pflichtteil ein

  • Fordern Sie vom Erben ein detailliertes Nachlassverzeichnis an.
  • Prüfen Sie, ob das Verzeichnis vollständig ist und der ermittelte Nachlasswert stimmt.
  • Ermitteln Sie mithilfe des Nachlassverzeichnisses Ihren Pflichtteil.
  • Fordern Sie den Erben schriftlich zur Auszahlung Ihres Pflichtteils auf.

Nach der Testamentseröffnung haben Sie drei Jahre Zeit, um Ihren Pflichtteil einzufordern. Danach verfällt Ihr Anspruch.

Kann man den Pflichtteil einklagen?

Wenn der Erbe die Auszahlung des Pflichtteils verweigert, können Sie vor dem zuständigen Nachlassgericht eine Pflichtteilsklage erheben. Die Auszahlung wird dann gerichtlich angeordnet.

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Da November keine rechtlich bindende Auskunft geben darf, sind alle Angaben auf dieser Seite unverbindlich, stellen keine juristische Beratung dar und können nicht als abschließend im Hinblick auf sämtliche im Zusammenhang mit dem Erbrecht stehenden Sachverhalte verstanden werden. Wir empfehlen Ihnen, sich zur Beratung an einen Rechtsanwalt zu wenden.