Erben und vererben: So regeln Sie Testament, Nachlass und Erbschaft

Wenn es ums Erbe geht, bricht häufig Streit aus. Jeder fünfte Erbfall landet in Deutschland sogar vor Gericht. Informieren Sie sich daher rechtzeitig darüber, wie Sie Ihren Nachlass regeln, welche Rechte Sie als potenzieller Erbe haben und wie Sie ein Erbe ausschlagen. Sie können Ihrer Familie damit unschöne Konflikte ersparen.

Was ist ein Erbe?

Als Erbe oder Erbschaft bezeichnet man den Nachlass einer verstorbenen Person, des Erblassers. Zum Erbe zählen das finanzielle Vermögen, Immobilien, Hausstand und anderer Besitz genauso wie die Schulden des Verstorbenen. Empfänger der Erbschaft sind, sofern der Erblasser es nicht in einem Testament oder Erbvertrag anders bestimmt, die Erben laut gesetzlicher Erbfolge.

Gesetzliche Erbfolge – wer erbt was?

Zu den gesetzlichen Erben des Verstorbenen zählen grundsätzlich der Ehegatte beziehungsweise Lebenspartner des Erblassers sowie seine Nachkommen und andere leibliche Verwandten. Wer von ihnen berechtigt ist, das Erbe anzutreten, ist durch die gesetzliche Erbfolge (§ 1924 bis § 1936 BGB) geregelt. Die gesetzlichen Erbfolge regelt außerdem die Höhe des Erbanspruchs, den jeder Erbe bei der Erbschaft hat.

Erbschaft und Testament: Kinder und Enkel sind Erben 1. Ordnung

Testament und Erbvertrag

Um die gesetzliche Erbfolge zu umgehen und selbst zu bestimmen, wer Ihr Erbe sein soll, können Sie ein Testament oder einen Erbvertrag mit anders lautenden Bestimmungen aufsetzen. Auf diese Weise können Sie relativ frei über Ihr Erbe verfügen, Vermächtnisse aussetzen, zusätzliche Erben benennen und gegebenenfalls Personen enterben.

Erben und enterben: Mit einem Testament können Sie die gesetzliche Erbfolge umgehen

Berliner Testament

Ehepartner setzen sich häufig gegenseitig als alleinige Erben in einem gemeinschaftlichen Testament ein. Dem überlebenden Partner fällt dadurch das Erbe alleine zu – man nennt dies ein Berliner Testament.

Pflichtteile für Ehegatten und Kinder

Unabhängig von einem bestehenden Testament oder Erbvertrag haben die Erben laut gesetzlicher Erbfolge – also vor allem Ehegatten und Kinder – einen festen Anspruch auf einen bestimmten Pflichtteil des Erbes. Sollte der Erblasser sie also durch ein Testament oder einen Erbvertrag enterben, sind die testamentarischen Erben beziehungsweise die vertraglichen Erben dazu verpflichtet, den Enterbten diesen Pflichtteil auszuzahlen. Der Pflichtteil des Erbes beträgt die Hälfte ihres gesetzlichen Erbanteils.

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Was ist eine Erbengemeinschaft?

Sobald es mehr als einen Erben gibt und sich zwei oder mehr Erben den Nachlass zu teilen haben, spricht man von einer Erbengemeinschaft. In diesem Fall gehört das gesamte Nachlassvermögen inklusive der Verbindlichkeiten nicht einem Erben allein, sondern allen Miterben gemeinschaftlich. Das Besondere daran ist, dass keiner der Erben allein über einen Teil oder auch nur einen Gegenstand aus dem Erbe verfügen kann. Bis zur Teilung des Nachlasses muss die Erbengemeinschaft alle Vermögenswerte gemeinsam verwalten.

Erbe annehmen oder ausschlagen?

Mit einem Erbe treten Sie die Rechtsnachfolge für den Erblasser an. Neben dem Vermögen übernehmen Sie als Erbe also auch die Schulden des Verstorbenen, sogenannte Nachlassverbindlichkeiten. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Sie sich im Erbfall rechtzeitig darüber informieren, woraus die Erbschaft besteht. Anschließend können Sie entscheiden, ob Sie das Erbe annehmen oder ausschlagen wollen.

Erben und vererben: Kontoauszüge prüfen

Informationen über die Zusammensetzung des Erbes müssen Sie sich allerdings selbst beschaffen. Am besten verschaffen Sie sich zunächst einen Überblick über die Vermögensverhältnisse des Verstorbenen. Dazu können Sie seine Kontoauszüge heranziehen, außerdem geben Ihnen Banken in der Regel Einblick in die Konten- und Depotbestände, wenn Sie sich als Erbe ausweisen.

Erbe annehmen

Um das Erbe anzunehmen müssen Sie im Grunde nichts weiter tun. Sobald die Frist von sechs Wochen zur Erbausschlagung verstrichen ist, gilt das Erbe als angenommen. Schon vor dem Verstreichen dieser Frist können Sie das Erbe allerdings durch eine ausdrückliche Erklärung vor Zeugen („Ich nehme das Erbe an!“) oder durch schlüssiges Verhalten annehmen.

  • Was ein „schlüssiges Verhalten“ darstellt, entscheiden im Zweifelsfall die Gerichte.
  • Der Antrag auf Erteilung eines Erbscheins z. B. wurde in der Vergangenheit bereits als schlüssiges Verhalten beurteilt.

Mit der Annahme der Erbschaft durch Fristverstreichen, ausdrückliche Erklärung oder schlüssiges Verhalten verzichten Sie auf Ihr Recht, das Erbe auszuschlagen.

Erbe annehmen: Gerichtsurteile

Erbe ausschlagen

Wenn der Nachlass überschuldet ist oder Sie sich aus anderen Gründen dazu entschließen, das Erbe auszuschlagen, haben Sie dazu sechs Wochen Zeit, nachdem Sie von der Erbschaft erfahren haben. Innerhalb dieser gesetzlichen Frist müssen Sie die Erbausschlagung vor dem Nachlassgericht erklären.

Erbschein

Um sich als gesetzlicher Erbe und Rechtsnachfolger des Erblassers legitimieren, benötigen Sie einen Erbschein. Diesen beantragen Sie beim zuständigen Nachlassgericht. Die Erteilung eines Erbscheins ist kostenpflichtig und die Gebühren werden entsprechend dem Nachlasswert erhoben.

Sollte ein notarielles Testament oder ein Erbvertrag vorliegen, in dem Sie als Erbe benannt werden, werden diese als Legitimation in der Regel anerkannt. In diesem Fall benötigen Sie keinen Erbschein.

Erbe und Erbschaftssteuer

Auf die durch ein Erbe erworbenen Vermögenswerte müssen Sie in Deutschland eine Erbschaftssteuer zahlen. Die Höhe der Steuern errechnet sich aus dem Wert des Erbes sowie der Zugehörigkeit des Erben zu einer von drei (Erbschafts-) Steuerklassen. Auf diese Weise können Erbschaftssteuern in einer Höhe zwischen sieben und 50 Prozent anfallen. Grundsätzlich gilt dabei: Je näher Sie mit dem Erblasser verwandt war, desto weniger Erbschaftssteuern müssen Sie in der Regel für Ihr Erbe zahlen.

Nachlassverbindlichkeiten

  • Die Nachlassverbindlichkeiten werden vom ermittelten Wert des Erbes vor der Besteuerung abgezogen.
  • Auf diese Weise wird nur der tatsächliche Vermögenszuwachs des Erben besteuert.

Erbschaftssteuer-Freibeträge

Auch bei der Erbschaftssteuer gibt es Freibeträge, die Sie als Erbe nicht versteuern müssen. Diese betragen bei jedem Erbfall bis zu 500.000 Euro für Ehegatten und eingetragene Lebenspartner, 400.000 Euro für leibliche, adoptierte und Stiefkinder sowie 100.000 Euro für die Eltern des Erblassers.

  • Der Erbschaftssteuer-Freibetrag kann alle zehn Jahre erneut voll ausgeschöpft werden.
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