Die Erbengemeinschaft –
Rechte und Pflichten der Miterben

Wenn mehrere Personen sich einen Nachlass zu teilen haben, spricht man von einer Erbengemeinschaft. Gegenüber einem Alleinerben gelten für die sogenannten Miterben andere Rechte und Pflichten. Lesen Sie bei uns, welche das sind.

Eine Erbengemeinschaft kann aus testamentarischen oder gesetzlichen Erben bestehen. Wichtigstes Merkmal der Erbengemeinschaft ist, dass kein Miterbe alleine den Nachlass veräußern, verpfänden oder anderweitig darüber verfügen darf. Solange Sie also kein Alleinerbe sind, können Sie alle Entscheidungen in Bezug auf den Nachlass ausschließlich gemeinsam mit Ihren Miterben treffen. Erst nach der einvernehmlichen Nachlassauseinandersetzung dürfen Sie Ihren Erbteil in Besitz nehmen.

Was ist die Aufgabe einer Erbengemeinschaft?

Die Erbengemeinschaft wird gemeinschaftlicher Eigentümer des gesamten Nachlasses. Es ist ihre Aufgabe, den Nachlass zu verwalten und auseinanderzusetzen, das heißt den Erbanteilen entsprechend unter den Miterben zu verteilen.

Zur Verwaltung des Nachlasses gehört unter anderem:

  • Vermächtnisse zu erfüllen,
  • die Nachlassverbindlichkeiten zu begleichen,
  • einen Teilungsplan zu erstellen.

Anschließend kann der Nachlass auseinandergesetzt werden.

Wenn der Erblasser testamentarisch einen Testamentsvollstrecker ernannt hat, so fallen die Verwaltung und Auseinandersetzung des Nachlasses in seinen Aufgabenbereich.

Die Auseinandersetzung

Bei der Nachlassauseinandersetzung oder Erbauseinandersetzung wird der Nachlass im Sinne des Erblassers aufgeteilt. Am Ende der Auseinandersetzung soll jeder Erbe den Anteil am Nachlass erhalten, der ihm zusteht. Wenn dabei lediglich ein Geldbetrag aufzuteilen ist, gibt es selten Probleme. Komplizierter wird es allerdings, wenn der Nachlass zusätzlich Sachwerte und Immobilien umfasst. Hier müssen sich alle Miterben auf eine Lösung einigen, wie mit dem Nachlass zu verfahren ist.

  • Je klarer der Erblasser die Aufteilung seines Nachlasses im Testament bestimmt, desto leichter wird die Auseinandersetzung später für die Erbengemeinschaft.
  • Bei einem umfangreichen Nachlass und bei komplizierten Anordnungen kann es sinnvoll sein, wenn der Erblasser einen Testamentsvollstrecker einsetzt, um Streitigkeiten zu vermeiden.

Erbengemeinschaft: Auseinandersetzung

Wo liegt das Konfliktpotenzial?

Die einzelnen Miterben haben oft unterschiedliche Vorstellungen davon, was mit dem Nachlass passieren soll: Wenn zum Beispiel eine Immobilie vererbt wird, kommt es vor, dass einer der Erben selbst darin wohnen möchte. Ein zweiter braucht dringend Geld und möchte die Immobilie veräußern. Ein dritter Erbe möchte die Immobilie behalten und vermieten.

  • Unterschiedlich hohe Erbquoten machen die Angelegenheit noch komplizierter. Wie soll etwa ein Auto unter drei Erben aufgeteilt werden, wenn die Erbquoten jeweils 20, 30 und 50 Prozent betragen?
  • Darüber hinaus können auch einzelne Wertgegenstände oder Erinnerungsstücke aus dem Nachlass Begehrlichkeiten wecken – aus diesem Grund kommt es in einer Erbengemeinschaft leicht zu Interessenkonflikten und zu Streit.

Erbengemeinschaft und Immobilien

Grundsätzlich hat jeder Erbe hat das Recht, die Nachlassimmobilie zu nutzen, allerdings nur wenn er damit nicht die Möglichkeit der anderen Erben einschränkt, die Immobilie ebenfalls zu nutzen.

Darüber hinaus können Immobilien nur mit der Zustimmung aller Miterben vermietet, verkauft, saniert oder mit einer Hypothek belastet werden.

Erbengemeinschaft: Immobilie

Einzelne Nachlassgegenstände und Erinnerungsstücke

Einzelne Nachlassgegenstände können einen hohen finanziellen Wert haben. Sie erzielen bei einem Verkauf einen guten Preis. Sind sich alle Miterben einig, kann der Gegenstand veräußert und der Erlös den Erbteilen enstprechend aufgeteilt werden.

Andere Gegenstände haben eher einen ideellen Wert als Erinnerungsstück an den Verstorbenen. Doch unabhängig von ihrem Wert gilt auch für Erinnerungsstücke: Kein Miterbe hat Anspruch auf einen bestimmten Gegenstand, wenn dieser ihm nicht testamentarisch vermacht wurde.

Erbengemeinschaft: Erinnerungsstücke aus einem Erbe

Was tun bei Streit?

Wenn die Erbengemeinschaft keine einvernehmliche Lösung erzielen kann, besteht die Möglichkeit einen Vermittler und Streitschlichter einzuschalten. Dies kann ein neutraler Dritter sein wie zum Beispiel ein Freund der Familie oder aber ein Notar. Fällt die Wahl auf einen Notar, so kann dieser die Erbengemeinschaft zusätzlich juristisch beraten.

Auseinandersetzungsklage

Als letzter Weg kann jeder Beteiligte auch eine Auseinandersetzungsklage erheben. Er muss dazu dem Gericht einen Teilungsplan vorlegen und kann dann Zustimmung dazu einklagen. In der Regel werden daraufhin Wertgegenstände und Immobilien versteigert und der Erlös unter den Erben entsprechend ihrer jeweiligen Erbquoten aufgeteilt.

Alternative: Schiedsgericht

Bevor Sie eine Auseinandersetzungsklage erheben, sollten Sie allerdings bedenken, dass Sie damit die Streitigkeiten in der Erbengemeinschaft an die Öffentlichkeit tragen. Alternativ lassen sich Streitigkeiten oft auch vor einem erbrechtlichen Schiedsgericht beilegen. Dies geschieht meistens deutlich schneller als vor einem staatlichen Gericht und außerdem unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

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Rechtsform der Erbengemeinschaft

Bei einer Erbengemeinschaft handelt es sich um eine Gesamthandsgemeinschaft. Dies besagt, dass keiner der Miterben allein über den Nachlass, einen Teil davon oder über einzelne Gegenstände aus dem Nachlass verfügen darf.

Ist eine Erbengemeinschaft rechtsfähig?

Eine Erbengemeinschaft ist keine juristische Person und somit auch nicht rechtsfähig. Verträge können daher nur zwischen Dritten und den einzelnen Miterben, nicht aber mit der gesamten Erbengemeinschaft geschlossen werden.

Wie haftet eine Erbengemeinschaft?

Vor der Nachlassauseinandersetzung muss eine Erbengemeinschaft die Nachlassverbindlichkeiten begleichen. Reicht der Nachlass nicht aus, um die Schulden zu begleichen, haftet die Gemeinschaft den Gläubigern des Erblassers mit ihrem Privatvermögen.

Nach § 2058 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) haftet die Erbengemeinschaft dabei als Gesamtschuldner. Das bedeutet, dass jeder einzelne Miterbe von den Gläubigern des Erblassers in Anspruch genommen werden kann – er muss selbst dafür sorgen, dass ihm seine Miterben die Auslagen anteilsmäßig erstatten.

Wer zahlt die Beerdigungskosten und Erbschaftssteuer?

Zu den Nachlassverbindlichkeiten zählen auch die Beerdigungskosten. Diese werden vor der Nachlassauseinandersetzung vom Erbe abgezogen – jeder Miterbe zahlt also automatisch entsprechend seiner Erbquote.

Die Erbschaftssteuer hat jeder Erbe selbst an das Finanzamt abzuführen.

Erbengemeinschaft: Erbschaftssteuer

Wer beantragt den Erbschein?

Wenn es ein Testament oder einen Erbvertrag gibt, so kann die Erbengemeinschaft viele Rechts- oder Bankgeschäfte auch ohne Erbschein tätigen. Manchmal ist ein Erbscheinantrag aber unumgänglich. In diesem Fall hat die Erbengemeinschaft zwei Möglichkeiten: Jeder Miterbe kann sich selbst einen Teilerbschein ausstellen lassen. Oder alle Erben beantragen zusammen einen gemeinschaftlichen Erbschein.

  • Beide Arten von Erbschein nennen die Namen aller Miterben sowie ihre jeweilige Erbquote.
  • Der Teilerbschein gilt allerdings nur als Nachweis der Erbberechtigung für den jeweiligen Antragsteller.
  • Da die Ausstellung für jeden einzelnen Erbschein mit Kosten verbunden ist, sollte die Erbengemeinschaft genau abwägen, ob sie einen gemeinschaftlichen Erbschein oder gegebenenfalls mehrere Teilerbscheine beantragen will.

Wie kann man aus der Erbengemeinschaft ausscheiden?

Mitglied einer Erbengemeinschaft werden Sie nicht freiwillig, sondern zwangsweise – wenn Sie gesetzlicher oder testamentarischer Erbe sind und es außer Ihnen noch andere Miterben gibt, bilden Sie automatisch zusammen eine Erbengemeinschaft. Es stehen Ihnen jedoch verschiedene Wege offen, aus der Erbengemeinschaft auszuscheiden, bevor der Nachlass auseinandergesetzt wird.

Erbschaft ausschlagen

Nach der Testamentseröffnung beziehungsweise Bekanntgabe der Erbschaft haben Sie sechs Wochen lang Zeit, Ihr Erbe vor dem Nachlassgericht auszuschlagen. Sie verzichten damit auf Ihren Erbteil und scheiden aus der Erbengemeinschaft aus.

Abschichten

Die Abschichtung ist eine formfreie Erklärung, mit der Sie auf Ihren Erbteil zugunsten eines oder aller Miterben verzichten. Dadurch erhöht sich der Erbteil für den oder die betreffenden Miterben. Im Gegenzug werden Sie von den Nachlassverbindlichkeiten und anderen Verpflichtungen, die sich aus dem Erbe ergeben, freigestellt. Für eine Abschichtung ist keine notarielle Beurkundung erforderlich.

Erbanteil veräußern oder übertragen

Eine dritte Möglichkeit besteht darin, Ihren Erbteil an einen Miterben oder einen Dritten zu übertragen oder zu veräußern. Dazu ist ein notariell beglaubigter Vertrag erforderlich.

  • Bei einem Verkauf des Erbteils haben die Miterben Vorkaufsrecht. Dieses muss innerhalb von zwei Monaten in Anspruch genommen werden.
  • Als Verkäufer behalten Sie Ihre Stellung als Erbe und haften ggf. weiterhin für Nachlassverbindlichkeiten.
  • Auch die Erbschaftssteuer müssen Sie an das Finanzamt abführen. Deshalb sollten Sie diesen Betrag beim Festlegen des Kaufpreises berücksichtigen.

Wer erbt, wenn ein Miterbe stirbt?

Wenn ein Miterbe stirbt oder seine Erbschaft ausschlägt, gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • Hat der Erblasser in seinem Testament einen Ersatzerben bestimmt, tritt dieser an die Stelle des Verstorbenen beziehungsweise des Ausschlagenden.
  • Wenn kein Ersatzerbe bestimmt wurde oder wenn es kein Testament gibt, treten die Erben des Verstorbenen laut gesetzlicher Erbfolge an seine Stelle (z. B. seine Kinder).
  • Hat der Verstorbene beziehungsweise Ausschlagende selbst keine Erben, erhöht sich der Erbteil aller Miterben.

Wie wird die Erbengemeinschaft aufgelöst?

Eine Erbengemeinschaft erlischt automatisch, sobald der Nachlass vollständig auseinandergesetzt wurde. Darüber hinaus kann eine Erbengemeinschaft aber auch enden, indem ein Erbe alle Erbteile auf sich vereinigt – das ist zum Beispiel der Fall, wenn sich sämtliche Miterben auszahlen lassen, indem sie ihm ihre Erbteile verkaufen, oder wenn sie ihm ihre Erbteile übertragen.

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Da November keine rechtlich bindende Auskunft geben darf, sind alle Angaben auf dieser Seite unverbindlich, stellen keine juristische Beratung dar und können nicht als abschließend im Hinblick auf sämtliche im Zusammenhang mit dem Erbrecht stehenden Sachverhalte verstanden werden. Wir empfehlen Ihnen, sich zur Beratung an einen Rechtsanwalt zu wenden.