Müssen Trauernde ihren Schmerz beweisen?

Als Bestatter begleiten wir jeden Tag Menschen auf ihrem schwersten Weg. Darum wissen wir, dass Trauer viele Gesichter hat: Jeder Mensch ist einzigartig und drückt seinen Schmerz anders aus. Trotzdem hat unsere Gesellschaft bestimmte Vorstellungen davon, wie „echte“ Trauer aussieht. Unsere Kundin Helene passt nicht in dieses Bild. Sie hat uns erzählt, wie sie die Zeit nach dem Tod ihrer Mutter erlebt hat.

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Silhouette einer trauernden Frau

„Als meine Mutter starb, war ich sechzehn. Ihr Tod hat ein großes Loch in die Familie gerissen. Meinen Vater hat plötzlich die Kraft verlassen, Mutter war dreißig Jahre lang die rechte Hand im Geschäft für ihn gewesen. Dann gab es Streit um die Nachfolge. Es war ein großes Durcheinander. Ich saß dazwischen und habe mich vollkommen alleine gefühlt. Von der Mutter verlassen, von den Brüdern übersehen, und mein Vater war von seinem eigenen Kummer überwältigt.“

„Ich habe gefasst gewirkt. Ich war es aber nicht.“

„Meine Mutter hat mir sehr gefehlt. Sie war für mich die wichtigste Bezugsperson gewesen, und nun war sie nicht mehr da. Ich habe dann das Einzige getan, was ich konnte. Die Beerdigung organisiert, mit dem Pfarrer gesprochen, einen Sarg ausgesucht und die Einladungen ausgeschickt. Es hätte sonst niemand getan. Ich muss wohl sehr gefasst gewirkt haben die ganze Zeit. Ich war es aber nicht. Ich hatte bloß keinen, an den ich mich um Beistand wenden konnte. Es war niemand für mich da. Ich war froh, dass ich das Ganze irgendwie hinbekommen habe.“

Trauernde Frau am Fenster

„Das alles war schon schlimm genug. Der Verlust meiner Mutter, der Streit zwischen den Brüdern, meinen Vater so hilflos zu sehen. Eine unendlich schmerzhafte Erfahrung. Was mir in der Trauerzeit aber vollends den Boden unter den Füßen weggerissen hat, das waren die Reaktionen aus meinem Umfeld. Ich habe das erst gar nicht verstanden. Es fing an mit Kritik an der Trauerfeier und am Sarg. Ich konnte darauf gar nicht reagieren, weil ich viel zu geschockt war von den Vorwürfen, die für mich aus dem Nichts kamen.“

„Ich wollte vor den Leuten nicht weinen.“

„Aber auch gute Worte habe ich immer abgebürstet. Wenn die Nachbarn mich angesprochen haben. Oder irgendwelche Leute im Supermarkt. Über meine Mutter konnte ich nicht reden, es hat mir weh getan, und ich wollte vor den Leuten auch nicht weinen. Ich wollte stark für meinen Vater sein.

Und anderen meine tiefsten Gefühle zeigen, nein. Die konnte ich nur meiner Mutter offenbaren, und jetzt war sie nicht mehr bei mir.

Aus diesem Grund wurde mir unterstellt, ich würde nicht um meine Mutter trauern. Natürlich hat mir das keiner ins Gesicht gesagt. Ich habe es um eine oder zwei Ecken herum gehört, und das hat es noch gemeiner gemacht. Dazu gab es seltsame Reaktionen und missbilligende Blicke von anderen, wenn ich am Grab stand.“

„Irgendwann habe ich es selbst geglaubt.“

„Mir haben diese völlig unbegründeten Anschuldigungen sehr zugesetzt. Irgendwann habe ich es auch selbst geglaubt. Wenn man es so oft hört, dann muss es doch stimmen, denkt man. Ich habe mich deswegen schuldig gefühlt und geglaubt, dass ich ein schlechter Mensch sei. Meine Mutter hat mir so gefehlt. Jetzt war ich auch ein Verräter. Das war die schlimmste Zeit meines Lebens.“

„Man wird daran gemessen, wie sehr man den Schmerz zeigt.“

„Es scheint in unserer Gesellschaft einen Konsens zu geben, wie man zu trauern hat. Wenn man sich nicht daran hält, werden die Menschen misstrauisch: Trauert man am Ende gar nicht? Man wird daran gemessen, wie sehr man den Schmerz zeigt. Ich als jüngstes Kind, und dann auch noch als Mädchen, hätte viel emotionaler reagieren müssen. Zumindest in den Augen vieler Nachbarn und Freunde. Dass ich so ungerührt geblieben bin, jedenfalls oberflächlich, war für sie nicht anständig.“

„Ich vermute, dass bei manchen Leuten Schuldgefühle hinter den Vorwürfen steckten. Ein schlechtes Gewissen, weil sie nicht für meine Mutter da waren. Bei manchen war es vielleicht auch alte Eifersucht. Letzten Endes ist es mir egal. Die Menschen, die mir aus fehlender Empathie heraus Gefühllosigkeit unterstellt haben, sind mir egal. Irgendwann habe ich meine eigenen Gefühle verstanden und sortiert. Meine Mutter fehlt mir bis heute. Aber die Nachbarn und die Freunde, die über mich geredet haben, die vermisse ich nicht.“

Trauernde Frau blickt in die Ferne

 

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