Patientenverfügung

In einer Patientenverfügung dokumentieren Sie schriftlich, wie Sie in welchen Situationen medizinisch behandelt werden möchten, sollten Sie einmal nicht mehr in der Lage sein, Behandlungen und Maßnahmen zuzustimmen oder sie abzulehnen.

Vorteile

Eine konkret formulierte Patientenverfügung hilft bei der schnellen und sicheren Umsetzung Ihres persönlichen Willens. Dadurch können Sie unnötiges, langes Leiden verhindern, sowie unerwünschte Behandlungen von vornherein ausschließen.

Sie schaffen außerdem Gewissheit bei Ihrer Familie bzw. Ihrem gesetzlichen Vertreter, da Ihr eigener Wille schriftlich feststeht. Ohne Verfügung müsste Ihr mutmaßlicher Wille umständlich ermittelt werden.

Eine Patientenverfügung aufzusetzen, heißt eine Sorge weniger zu haben.

  • Umsetzung des eigenen Willens
  • Ausschluss unerwünschter Behandlungen
  • Gewissheit bei Familie

Voraussetzungen

Um eine Patientenverfügung aufsetzen zu können, müssen Sie volljährig sein. Bei Minderjährigen entscheiden die gesetzlichen Vertreter, meistens die Eltern, über medizinisches Vorgehen.

Als volljährige Person müssen Sie einsichts- und steuerungsfähig sein. Das heißt, Sie müssen sich über die Tragweite, die Bedeutung und die Folgen der Verfügung im Klaren sein. Geschäftsfähigkeit muss dagegen nicht vorliegen. Auch wenn Sie unter Betreuung stehen, können Sie eine Patientenverfügung aufsetzen.

  • Volljährigkeit
  • Einsichts- und Steuerungsfähigkeit

Form und Unterschrift

Eine Patientenverfügung muss schriftlich verfasst werden. Dabei ist es egal, ob sie handschriftlich, am Computer oder mit einem Formular erstellt wird. Wir empfehlen Ihnen aufgrund der eindeutigen Lesbarkeit und besseren Übersichtlichkeit aber eine gedruckte Variante.

Gültig wird die Verfügung erst mit der eigenen Unterschrift. Eine notarielle Beglaubigung ist nicht notwendig. Kann die Unterschrift nicht mehr eigenhändig erstellt werden, müssen Sie einen Notar zur Beglaubigung hinzuziehen.

Eine zusätzliche Unterschrift Ihres Arztes ergibt dagegen immer Sinn. Dieser kennt Sie und Ihre Vorstellungen im Idealfall bereits und kann Ihre Patientenverfügung auf dieser Grundlage nochmals überprüfen.

Sie können Ihre Patientenverfügung jederzeit formlos widerrufen.

Anforderungen

Die Patientenverfügung sollte bestimmten Anforderungen genügen. Beispielsweise dürfen nur gesetzeskonforme Wünsche geäußert werden. Das schließt unter anderem die aktive Sterbehilfe aus. Passive Sterbehilfe in Form eines Behandlungsabbruchs ist dagegen erlaubt, sollte dies Ihr ausdrücklicher Wille sein.

Notwendige Bestandteile einer Patientenverfügung sind:

  • Eingangsformel mit aktuellen persönlichen Daten
  • Situationen, für die die Patientenverfügung gelten soll
  • Festlegung zu gewünschten medizinischen Maßnahmen
  • Schlussformel mit Datum und Unterschrift

Zusätzlich kann die Patientenverfügung um folgende Abschnitte erweitert werden:

  • Wertvorstellungen
  • Wünsche zum Behandlungsort (bspw.: Hospiz oder eigenes Zuhause)
  • Wünsche zu familiärem oder spirituellem Beistand
  • Hinweise zu weiteren getroffenen Vorsorgen (bspw.: Betreuungsverfügung oder Vorsorgevollmacht)
  • Aussagen zur Verbindlichkeit
  • Organspende
  • Aktualisierung mit Datum und Unterschrift

Aufbewahrung

Legen Sie einen Ordner für wichtige Unterlagen und Vorsorgedokumente an. Dieser sollte schnell auffindbar sein. Teilen Sie Ihren Vertrauenspersonen mit, wo er sich befindet.

Das Original Ihrer Patientenverfügung sollten Sie in diesem Ordner abheften. Sie können Ihren Vertrauenspersonen eine Kopie aushändigen mit dem Verweis, wo sich das Original befindet.

Die Patientenverfügung muss im Ernstfall im Original vorgelegt werden.

Aktualisierung

Überprüfen Sie Ihre Patientenverfügung regelmäßig.

Wenn sich Ihre Vorstellungen in Bezug auf Behandlungen und medizinische Maßnahmen im Laufe der Jahre ändern sollten, können Sie jederzeit eine neue Patientenverfügung aufsetzen. Vernichten Sie die vorherige Variante um Missverständnisse zu vermeiden.

Entspricht die Patientenverfügung weiterhin Ihren Vorstellungen, unterschreiben Sie mit Angabe des aktuellen Datums einfach nochmals am Ende des Dokuments. Damit können Familie und Ärzte sichergehen, nach Ihren aktuellen Wünschen zu handeln.

Wertvorstellungen

Um Ihren Willen in der Patientenverfügung zu bekräftigen, sollten Sie Ihre persönlichen Wertvorstellungen ergänzen. Sollte es einmal Zweifel geben oder eine Situation eintreten, die Ihre Patientenverfügung nicht abdeckt, kann aus diesen Angaben Ihr mutmaßlicher Wille abgeleitet werden.

Zu Ihrer Wertvorstellung können zählen:

Religion und Glaube

  • Welche Rolle spielen Spiritualität und Glaube in meinem Leben?
  • Wie beeinflusst dies meinen Bezug zum Leben und zum Sterben?

Fremdbestimmung

  • Welche Rolle spielen Familie oder Freunde für mich?
  • Welche Beziehungen habe ich zu anderen Menschen?
  • Kann ich fremde Hilfe gut annehmen?
  • Habe ich Angst jemandem zur Last zu fallen?

Pflege und Verlust bei anderen

  • Habe ich bereits einen Pflegefall oder Verlust erlebt?
  • Was löst das bei mir aus?
  • Was habe ich davon mitgenommen?

Lebensqualität versus Lebensdauer

  • Möchte ich ein langes Leben, im Zweifel mit Einschränkungen?

Änderungen seit 2016

In Patientenverfügungen müssen konkrete Situationen benannt sein, um die gewollte Behandlung zu ermöglichen.

Dass man beispielsweise „lebensverlängerte Maßnahmen ablehnt” sagt nicht automatisch etwas über eine konkrete Behandlungsentscheidung aus, so der Bundesgerichtshof (Az. BGH XII ZB 61/16). Patientenverfügungen, die vor 2016 verfasst wurden, sollten deshalb auf konkrete Angaben überprüft und im Zweifel neu verfasst werden.

Ohne Patientenverfügung

Wenn Sie keine Patientenverfügung und keine Vorsorgevollmacht verfasst haben, aber in eine Situation kommen in der Sie nicht mehr für sich selbst entscheiden können, erhalten Sie einen gerichtlichen Betreuer. Familienangehörige oder Ehepartner sind nicht automatisch der gesetzliche Vertreter bei medizinischen Fragen. Auch als gerichtlicher Betreuer muss nicht zwingend ein Familienmitglied eingesetzt werden.

Das zuständige Betreuungsgericht sucht eine geeignete Person aus dem persönlichen Umkreis. Der Betreuer stimmt dann in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt weitere Behandlungmaßnahmen ab, nachdem Ihr mutmaßlicher Wille ermittelt wurde.

Weitere Vorsorgen

Eine Patientenverfügung ergänzen Sie am besten mit einer Vorsorgevollmacht oder einer Betreuungsverfügung. Mit der Vorsorgevollmacht bestimmen Sie eine Vertrauensperson, die sich an Ihrer Stelle um Aufgaben kümmern darf, sobald Sie selbst dazu nicht mehr in der Lage sind. In Kombination mit der Patientenverfügung kann diese Person auch Ihre Behandlungswünsche durchsetzen.

Mit der Betreuungsverfügung verhält es sich ähnlich. In dieser geben Sie an, wen Sie sich als gesetzlichen Betreuer wünschen. Das Betreuungsgericht weist dann unter Berücksichtigung Ihrer Wünsche einen passenden Betreuer zu und behält dabei die Kontrolle über alle Vorgänge. Es kann jedoch einige Wochen in Anspruch nehmen bis dieser Vorgang abgeschlossen ist und der Betreuer sich an die Arbeit machen kann.